12 Monkeys: Kann man das Schicksal aufhalten?

Ein Virus löscht fast die gesamte Menschheit aus, doch in der Zukunft will man sich nicht geschlagen geben: mithilfe einer Zeitmaschine versucht James Cole in 12 Monkeys die Epidemie zu stoppen. Die SyFy-Serie hat nicht mehr viel mit dem Film aus dem Jahr 1995 zu tun – und dennoch ist sie abgesehen von ein paar Logiklücken ein solides Action-Drama. Die Kritik.


Idee: Travis Fickett, Terry Matalas
Executive Producer: Travis Fickett, Terry Matalas, Charles Roven, Richard Suckle
Hauptdarsteller: Aaron Stanford (James Cole), Amanda Schull (Dr. Cassandra Railly)
Nebendarsteller: Kirk Acevedo (José Ramsay), Barbara Sukowa (Katarina Jones), Emily Hampshire (Jennifer Goines)
Genre: Science-Fiction


In einer postapokalyptischen Welt, die durch einen unaufhaltbaren Virus entvölkert wurde, startet eine Gruppe Überlebender im Jahr 2043 eine schier unmögliche Mission: mit einer Zeitmaschine zurückreisen und die Epidemie verhindern. James Cole (Aaron Stanford) ist der Auserwählte, der sich in 12 Monkeys auf Spurensuche in der Vergangenheit begeben muss. Doch die Ermittlungen stellen sich als extrem schwierig heraus. Immer wieder stößt er auf neue Hinweise, wird in die Falle gelockt oder ist seinen Widersachern einen Schritt hinterher. Denn der Virus hat keinen natürlichen Ursprung, sondern wurde von Menschen verbreitet – doch wer genau steckt hinter diesem Plan?

Zeitreisen sind kompliziert

Die einzige Spur, die man im Jahr 2043 auftreiben konnte – und das trotz einer unglaublich klischeehaften Pinnwand, die vor Post-Its und Zeitungsartikeln überquellt – ist ein Tondokument von einer Dr. Cassandra Railly (Amanda Schull). Dass James Cole sich direkt in die Wissenschaftlerin verliebt, lassen wir an dieser Stelle außen vor. Die Serie kämpft nicht so sehr mit dieser gänzlich konstruierten Emotionalität, sondern wie beinahe jede Produktion des Zeitreise-Subgenres mit Logiklücken, die man als Zuschauer einfach hinnehmen muss. In 12 Monkeys ergibt sich das Standard-Problem der Zeitreisen, das schon Sheldon Cooper in The Big Bang Theory formulierte: man nutzt in der Zukunft die Technologie der Zeitreisen, um sie in der Vergangenheit zu erfinden. Auch an vielen anderen Stellen bedient sich die Serie dieser holprigen Logik.

Die Forscherin, die das Splinter-Projekt zu verantworten hat, gerät oft an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die von Barbara Sukowa (Hannah Arendt) verkörperte Katarina Jones ist eine der beiden interessantesten Charaktere in 12 Monkeys. Zwar sind Cole und Cassandra ordentlich geschriebene und solide dargestellte Figuren, jedoch ist vor allem Sukowas Spiel, der Hang des Charakters zur Verrücktheit sowie ihre zugrundeliegende Motivation spannend, wenngleich man immer wieder über pseudo-wissenschaftliche Ausdrücke wie „temporale elektromagnetische Inferenzen“ oder „Rekonditionierungssystem zur molekularen Stabilisierung“ aus ihrem Munde stolpert.

Kaum Parallelen zum Film

Die zweite Schauspielerin, die 12 Monkeys durchaus lohnenswert macht, ist Emily Hampshire (Schitt’s Creek). Sie schlüpft in jene Rolle, die im Original noch von Brad Pitt gespielt wurde. Jennifer Goines, ein essenzielles Zahnrad im Schicksal der Menschheit, ist wie auch ihr Film-Pendant in höchstem Maße durchgeknallt – was Hampshire mehr als bravourös darstellt. Schade, dass sie nur selten auftaucht.

Doch die Parallelen zum Film von 1995 sind in der SyFy-Serie kaum noch zu erkennen. War der Streifen in erster Linie eine psychologische Irrfahrt für James Cole (Bruce Willis), ist die Serie vielmehr ein klassisches Action-Drama, das nur noch in seltenen Fällen auf Elemente des Films zurückgreift. Eine vollständige Neuinterpretation des Werks, wenn man so will. Darüber hinaus ist die Serie auch lange nicht so kryptisch wie das Original. 12 Monkeys macht dabei vor allem auf bildlicher Ebene die Logiklücken oder flachen Analogien (ein Hacker findet einen analogen Virus toll, na danke) wieder wett: die düstere, bläulich gehaltene Zukunft ist ein bedrückendes Schreckensszenario.


Land: USA
Sender: SyFy
Deutscher Sender: Amazon
Länge: 43 min, 13 Episoden


Sinnlose Episoden

Leider gibt es immer wieder Episoden, die im Gesamtbild der horizontal erzählten Serie obsolet wirken. Vor allem in der vierten und sechsten Episode geschieht nichts, was dauerhafte Konsequenzen auf die Handlung hätte. Zwar spielt das Autorenteam aus Travis Fickett und Terry Matalas (beide Terra Nova) immer wieder mit den verschiedenen Zeiten und machen viele Andeutungen, doch es bleibt ein Grundproblem vorhanden: Fehler können meistens durch eine neue Zeitreise korrigiert werden. Dadurch hätte man einzelne Episoden problemlos streichen können – eigentlich schade, da die ersten 30 Minuten der Pilotepisode Handlung für fünf Folgen beinhaltet hätten. Letztlich findet man sich immer wieder in demselben Muster wieder, dass irgendwann sogar die Figuren selbst nervt: Zeitreise – Plan scheitert – Zeitreise – Plan scheitert…

Letztlich kommt 12 Monkeys mit erwartbaren Handlungssträngen und Dialogen daher – was an sich nicht unbedingt schlecht sein muss. Denn die Ausführung ist definitiv befriedigend, wenn man über die ein oder andere Logiklücke hinwegsehen kann. Nach den 13 Episoden der ersten Staffel macht das Gesamtkonstrukt durchaus Sinn, die zahlreichen Fäden ziehen sich recht nachvollziehbar zusammen. Die stets scheiternden Pläne kann man dementsprechend auch als große moralische Frage interpretieren – neben vielen weiteren moralischen Problemen, vor denen die Figuren und die Zuschauer immer wieder stehen: Kann man das Schicksal überhaupt aufhalten?

12 Monkeys
  • 5/10
    Gesamtwertung - 5/10
5/10

Fazit

12 Monkeys ist eine klassische Zeitreise-Produktion mit den üblichen Logiklücken. Die mit dem Original-Film nicht vergleichbare Science-Fiction-Serie liefert jedoch eine ordentlich erzählte, manchmal etwas klischeehafte Handlung mit starken Nebencharakteren.

Bild: NBC Universal

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