A Series Of Unfortunate Events

A Series of Unfortunate Events: Everything but Dismay

Ein großartiger Neil Patrick Harris, abgedrehte Kostüme und ein tolles Setting. Das sind die Eckpunkte der Netflix-Produktion A Series of Unfortunate Events, die auf der Kinderbuchvorlage von Lemony Snicket basiert.


Idee: Daniel Handler (Pseudonym: Lemony Snicket)
Executive Producer: Daniel Handler, Barry Sonnenfeld
Regie: Barry Sonnenfeld, Mark Palansky, Bo Welch
Hauptdarsteller: Neil Patrick Harris (Count Olaf), Malina Weissman (Violet Baudelaire), Louis Hynes (Klaus Baudelaire)
Nebendarsteller: Patrick Warburton (Lemony Snicket), K. Todd Freeman (Mr. Poe)
Genre: Märchen, Abenteuer


Wohl nicht ganz zufällig erschien A Series of Unfortunate Events am Freitag, den 13. Die auf einer Kinderbuchreihe basierende Serie ist eine Aneinanderreihung schlimmer Ereignisse, denen man eigentlich nicht beiwohnen sollte. Schon im Trailer warnt die Stimme von Neil Patrick Harris mit tiefer Eindringlichkeit: „Look away, look away. This show will wreck your evening, your whole life and your day. Every single episode is nothing but dismay.” Doch diesen Rat zu befolgen wäre der eigentliche Fehler, schließlich ist die Netflix-Produktion einer der spannendsten US-Neustarts des noch jungen Jahres.

An Unfortunate Fortune

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse, so der deutsche Titel, erzählt die Geschichte der drei Baudelaire-Geschwister Violet (Malina Weissman), Klaus (Louis Hynes) und Sunny (Presley Smith), die ihre Eltern während eines Hausbrands verloren haben. Den Geschwistern haben sie ein großes Vermögen hinterlassen, das Violet bekommt, sobald sie volljährig ist. Die drei Waisen sollen nun von nahen Verwandten großgezogen werden – doch mittels eines hinterlistigen Plans gelingt es Count Olaf (Neil Patrick Harris), die Kinder unter seine Fittiche zu bekommen. Sein Ziel: das Vermögen der Kinder an sich reißen – und dabei schreckt der skrupellose Schauspieler selbst vor Mord und Totschlag nicht zurück.

Dabei ist es herrlich zu beobachten, mit welcher Inbrunst Neil Patrick Harris in dieser Rolle aufgeht. Von verrückten und nebenbei gesagt toll gefertigten Kostümen und Masken über gut platzierte Musical-Nummern bis hin zum schwarzen Humor – der 43-Jährige verleiht der insgesamt recht einfachen Story eine wunderschöne Lebendigkeit. Denn die Geschichte der Serie ließe sich letztlich auf einem einzigen Haftnotizzettel zusammenfassen: in jeweils zwei Episoden langen Geschichten treffen die Baudelaires auf ihre neuen Pflegeeltern und müssen sich gegen Count Olafs neueste Pläne zur Erlangung des Vermögens zur Wehr setzen. Dabei erkennen die Kinder zunehmend, dass ihre Eltern und Verwandten offenbar Teil einer ominösen Geheimorganisation sind, deren Handeln und Ziele im Dunkeln bleiben.

Will Arnett und Cobie Smulders?

Interessanterweise hält sich Serienschöpfer Daniel Handler aka Lemony Snicket stets an das Versprechen des regelmäßig auftauchenden, die vierte Wand durchbrechenden Erzählers (Patrick Warburton als Lemony Snicket): diese Geschichte kennt kein Happy Beginning, kein Happy End und erzählt auch in der Mitte nur wenige fröhliche Dinge. Die Serie spielt mit dem Mitgefühl der Zuschauer und entwirft immer wieder neue Hoffnungsschimmer am Horizont, die früher oder später mit chirurgischer Präzision auf erzählerischem Top-Niveau zerstört werden. Wenig Handlung, dafür aber mitreißend erzählt.

Dabei sprüht die Welt vor verschrobenen Nebencharakteren, die bewusst kühl und eindimensional gehalten werden, wodurch die Tiefe der Hauptpersonen wie Count Olaf deutlich hervorgehoben wird. Bemerkenswert sind vor allem die Dialoge zwischen den verschiedenen Figuren, die vor Wortwitz und Einfallsreichtum nur so strotzen. Dementsprechend sei es angeraten, A Series of Unfortunate Events im englischen Original zu konsumieren – im Deutschen geht das auf die Spitze getriebene Spiel mit Worten schnell unter. Die Serie emanzipiert sich dabei vom Image des Kinderbuchs und zielt ebenfalls auf Erwachsene ab, die ihre Freude an den zahlreichen Anspielungen, dem schwarzen Humor der ersten Folge und den Cameo-Auftritten von Will Arnett und Cobie Smulders haben werden. Der märchenhafte Stil der Kulisse mag nicht jedermanns Sache sein, doch passt sich das von den Regisseuren Barry Sonnenfeld, Mark Palansky und Bo Welch entworfene Bild perfekt in die Story ein.


Land: USA
Sender: Netflix
Deutscher Sender: Netflix
Länge: 42-64 min, 8 Episoden


Eine einzigartige Serie

Am ehesten ließe sich die Serie noch mit Werken von Tim Burton vergleichen, wenn auch nur phasenweise. Vielmehr vertraut die Produktion auf ihre Einzigartigkeit in der Serien-Welt. Letztlich ist A Series of Unfortunate Events nicht wegen der überschaubaren Handlung sehenswert – leider besitzen manche Episoden durchaus ihre Längen. Nein, vor allem die Form macht die Netflix-Serie einzigartig. Großartige Schauspieler, in erster Linie ein toll aufgelegter Neil Patrick Harris, wunderschöne Kostüme und Masken, passende Musik (größtenteils von Hunger Games-Komponist James Newton Howard) und tolle Dialoge machen A Series of Unfortunate Events zu einem der frühen Highlights des noch jungen Serien-Jahres.

A Series of Unfortunate Events
  • 8/10
    Gesamtwertung - 8/10
8/10

Fazit

A Series of Unfortunate Events ist eine starke Kinderbuch-Adaption, die dank toller Dialoge, schöner Kostüme und einem herausragenden Neil Patrick Harris gleichzeitig bitterböse und charmant daherkommt.

Bild: Joe Lederer/Netflix

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