Mr. Robot Staffel 2: Kontrolle ist eine Illusion

Wir haben einen heißen Kandidaten für die nächsten Emmys: Die zweite Staffel Mr. Robot hat sich in beinahe allen Belangen weiterentwickelt und überzeugt mal wieder mit genialen Plottwists und grandiosen Schauspielern sowie einem experimentierfreudigen Sam Esmail.


Idee: Sam Esmail
Executive Producer: Sam Esmail, Steve Golin, Chad Hamilton
Hauptdarsteller: Rami Malek (Elliot), Christian Slater (Mr. Robot), Carly Chaikin (Darlene), Portia Doubleday (Angela)
Nebendarsteller: Martin Wallström (Tyrell Wellick), Stephanie Corneliussen (Joanna Wellick), Grace Gummer (Dominique DiPierro)
Genre: Thriller


Spoiler-Warnung: Diese Kritik zur zweiten Staffel Mr. Robot enthält Spoiler für die erste Staffel.

Mr. Robot war die große Überraschungsserie des Sommers 2015. Dem relativ kleinen Sender USA Network hätte man eine solch qualitative Serie, die nun sogar für einen Emmy in der Kategorie „Bestes Drama“ nominiert wurde, kaum zugetraut. Die Kritiker überschlugen sich in Lobeshymnen – zurecht. Auch ich habe der ersten Staffel eine Wertung gegeben, die von mir eher selten gewählt wird. So war die Vorfreude auf die zweite Staffel entsprechend hoch – und ich wurde definitiv nicht enttäuscht.

The Revolution goes on – ohne Rami Malek

Nachdem fsociety es geschafft hat, E Corp an den Rand des Zerfalls zu bringen, zieht sich Elliot komplett zurück. Er sagt sich nach den schwerwiegenden Ereignissen komplett von der Technik los, begibt sich zu seiner Mutter und flieht in eine starre Routine. Das Ziel: Mr. Robot als Manifestation seines Verstands in Form des verstorbenen Vaters mithilfe eines kontrollierten Tagesrhythmus loswerden. Die Logik: ohne „digitale Waffen“ ist sein zweites Ich machtlos. Doch die Unterscheidung zwischen Realität und Halluzination fällt ihm weiterhin sichtlich schwer, er hat weiterhin massive Erinnerungslücken. Rami Malek und Christian Slater brillieren dabei mal wieder in ihren Rollen als durchgeknallter Hacker und grausame Vaterfigur.

Während Elliot hauptsächlich mit dem kräftezehrenden Kampf gegen sich selbst beschäftigt ist, läuft die angestoßene Revolution weiter. Seine Schwester Darlene (Carly Chaikin) scheint nun das Oberhaupt von fsociety zu sein und versucht mithilfe symbolgeladener Aktionen, den strauchelnden Riesen E Corp weiter in die Knie zu zwingen. Die Welt ist durch den Angriff, der in Anlehnung an den Sprachduktus des 11. September nur noch als 5/9-Hack bezeichnet wird, in eine tiefe Wirtschaftskrise mit sich etablierenden Parallelwährungen gerutscht. Tyrell Wellick (Martin Wallström), der von der Weltöffentlichkeit für den Hack verantwortlich gemacht wird, bleibt aber weiter verschwunden.

Weg mit dem Holzhammer

Dabei etabliert sich eine neue Bedrohung der Revolution – in Form von FBI-Ermittlerin Dominique DiPierro (Grace Gummer), die vor allem Angela (Portia Doubleday) auf den Fersen ist. Diese hat mittlerweile einen Job in der Öffentlichkeitsarbeit bei E Corp angenommen, versucht aber gleichzeitig, das Konglomerat zu infiltrieren. Währenddessen ist weiterhin nicht klar, welche Ziele eigentlich die chinesische Dark Army und Whiterose (BD Wong) mit dem 5/9-Hack verfolgen – es entsteht ein hochspannendes undvielschichtiges Handlungsgeflecht. Gespickt wird das Ganze mit klugen Beobachtungen über die Gesellschaft, das Wirtschaftssystem und deren Schwächen. Im Gegensatz zur ersten Staffel verbreiten die Macher ihre moralischen Botschaften zum Glück nicht mehr mit dem Holzhammer, sondern gehen deutlich subtiler vor.


Land: USA
Sender: USA Network
Deutscher Sender: Amazon
Länge: 40-65 min, 12 Episoden


Sam Esmails Experimentierfreude

Man merkt Mr. Robot-Mastermind Sam Esmail in der zweiten Staffel an, dass er auf künstlerischer Ebene noch einen Schritt weitergehen möchte. Er legt nun einen deutlich größeren Wert auf das Aussehen, die musikalische Gestaltung sowie einen inhärenten Symbolismus. Esmail und seine Crew sind deutlich experimentierfreudiger und spielen mit den Werkzeugen, die ihnen zur Verfügung stehen. Sogar die Schnitte erzählen phasenweise ihre ganz eigene Story. Doch nie ist die bildliche und musikalische Gestaltung ein reiner Selbstzweck – sie passt sich beinahe perfekt in die gezeigte Handlung ein. Hinzu kommt ein grandioses Storytelling inklusive unfassbar gut platzierter und genial gebauter Plottwists, die einen als Zuschauer mit offenem Mund dastehen lassen.

Die zweite Staffel Mr. Robot hebt die Serie nochmal auf eine ganz neue Ebene und beweist, dass die ersten zehn Folgen keine Eintagsfliege waren. Neben grandiosen Schauspielern und einer klugen, vielschichtigen sowie spannenden Story überzeugen Sam Esmail und sein Team mit einer grandiosen Regie, Kamera und Musik. Da die siebte Staffel Game of Thrones 2017 aufgrund der etwas späteren Ausstrahlung nicht in das neue Emmy-Intervall fallen wird, lehne ich mich an dieser Stelle bereits weit aus dem Fenster: die zweite Staffel Mr. Robot hat beste Chancen, bei den 69. Primetime-Emmys 2017 den Preis für das „Beste Drama“ abzuräumen.

Mr. Robot Staffel 2
  • 9/10
    Gesamtwertung - 9/10
9/10

Fazit

Mr. Robot wird in der zweiten Staffel in seiner visuellen und musikalischen Gestaltung deutlich experimentier-freudiger. Die grandiose Arbeit von Regie, Kamera und Musik passt perfekt zur hochspannenden und grandios gesponnenen Handlung.

Bild: NBCUniversal

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